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Tabak im 19.Jahrhundert



Um 1845 hatte der Tabak den Kaffee als Kubas wichtigsten Export­artikel
abgelöst, und viele der kleinen Tabakfirmen, die von spani­schen Kolonialisten
gegründet worden waren, wurden geschlossen und in großen Plantagen zusammengefasst.
Als sich Kubas Wohl­stand mit der wachsenden Berühmtheit des Tabaks aus Havanna
ständig mehrte, musste Spanien fürchten, seine Provinz im »Neuen Amerika« zu
verlieren. Diese Angst war durchaus berechtigt. Schon in den frühen fünfziger
Jahren des 19. Jahrhunderts hatte es in den Vereinigten Staaten Bestrebungen
gegeben, Kuba zu annektieren, und 1854 versuchte Präsident Franklin Pierce
tatsächlich, Kuba von Spanien abzukaufen. Hätte er Erfolg gehabt, wäre der 14.
Präsident der Vereinigten Staaten heute bekannter - vielleicht nicht unter
Historikern, bestimmt aber unter den amerikanischen Zigarrenrau­chern.



In der Mitte des 19. Jahrhunderts bekamen auch die Zigarrenbauch­binden die
ihnen gebührende Aufmerksamkeit, und viele der Bauch­binden, die noch heute auf
legendären Marken wie >Punch<, >Partagas« und >Romeo y Julieta<
zu sehen sind, sind seit ihrer Entstehung so gut wie unverändert geblieben.



Nach 1870 war England der Markt für Havanna-Zigarren geworden. Deshalb
nimmt es auch nicht wunder, dass sich in der zweiten Hälfte des 19. und zu
Beginn des 20. Jahrhunderts einige neue Formen ent­wickelten, die auf Anregung
prominenter britischer Zigarrenraucher entstanden. So gab etwa in den achtziger
Jahren des 19. Jahrhunderts der Londoner Finanzier Leopold de Rothschild bei
der berühmten Zigarrenfabrik Hoyo de Monterrey in Havanna eine kurze Zigarre
mit großem Umfang in Auftrag, damit er so viel Rauchgenuss wie möglich haben
konnte, ohne die Zeit aufzuwenden, die das Rauchen einer Zigarre üblicher Länge
normalerweise beanspruchte. Als nach dem kubanischen Embargo die ersten in
Honduras hergestellten Zigarren in die Vereinigten Staaten gebracht wurden, war
es sinni­gerweise die Firma Hoyo de Monterrey, die die amerikanischen Rau­cher
wieder mit dem berühmten Rothschild-Format bekannt machte. Auch heute noch wird
die klassische Rothschild (4 /2 x 52; siehe auch die Seiten 120 und 123)
hergestellt, und zwar nicht nur von Hoyo de Monterrey unter dem originalen
Warenzeichen, son­dern auch von unzähligen anderen Zigarrenfirmen. Viele dieser
Firmen haben versucht, diesem klassischen Format Ehre zu erwei­sen, indem sie
ihr neue Namen gaben, wie zum Beispiel >Robustos< (Davidoff), »Romanos«
(Dunhill), >Pluton< (Pleiades) und >Consul< (Joya de Nicaragua).
Jedenfalls bestanden nicht wenige Formate, die von Briten angeregt worden
waren, fort bis ins 20. Jahrhundert, so

etwa, als der Earl of Lonsdale die Firma Rafael Gonzales in Havanna
beauftragte, eine Sonderform nur für ihn zu entwerfen. Das Porträt des Earls
war dabei gut sichtbar auf dem inneren Etikett der geöffne­ten Schachtel
angebracht. Für einige Zeit waren die neuen »Rafael Gonzales Lonsdales< die
teuersten Zigarren, die aus Kuba kamen. Auch heute ist die Lonsdale eine der
beliebtesten Formate unter Zigarrenrauchern, einerlei, ob sie jetzt unter
diesem Namen angebo­ten wird oder unter einem anderen.



Inzwischen steigerte sich in Amerika die Zigarrenproduktion konti­nuierlich,
und es waren Zigarrenliebhaber wie der Bürgerkriegsheld und spätere Präsident
Ulysses S. Grant und der Literat Mark Twain, die die Aufmerksamkeit sowohl auf
kubanische als auch auf ameri­kanische Produkte lenkten. In fast allen Staaten
der Union schössen Fabrikationsstätten, die sich in der Kunst der
Tabakverarbeitung ver­suchten, aus dem Boden - vom Einmannbetrieb bis zu
Fabriken, die sich über mehrere Stockwerke erstreckten. Die meisten dieser
Fabri­ken waren auf einer Ost-West-Linie gebaut, so dass in die Räume der
Blattsortierer und Zigarrenroller - ähnlich wie in einem Künstler Atelier -
stets das Licht von Norden einfiel. Viele jener ersten ameri­kanischen Zigarren
waren beileibe nicht als Kunstwerke zu bezeich­nen. Erst nach 1875 wurden in
fortschreitenden Experimenten, die sich vor allem auf verbesserte Spannungen
der Einlage konzentrier­ten, amerikanische Zigarren entwickelt, welche sich
durch einen charakteristischen Geschmack auszeichneten.
Bald kamen die besten US-Tabake aus Wisconsin, Pennsylvania, Ohio, New York, Florida und Connecticut.



Mit den verbesserten Tabaken bekam die amerikanische Zigarren­produktion
neuen Auftrieb, unterstützt von ständig hereinströmen­den Immigranten aus Kuba
und Europa, die in der Kunst der Zigar­renherstellung außerordentlich versiert
waren. Vor allem in Florida - und hier wiederum in Key West und in Tampa, das
schon bald den Beinamen »Little Havanna« trug - arbeiteten viele Kubaner, die
ihre Insel, die immer wieder durch Aufstände zur Erlangung der Unab­hängigkeit
von Spanien erschüttert wurde, verlassen hatten. (1898 musste dann Spanien nach
dem Krieg mit den USA im Frieden von Paris Kuba an die Vereinigten Staaten
abtreten.) Auch deutsche Ein­wanderer - es waren hauptsächlich Arbeiter, die
aufgrund der Bismarck’schen Sozialistengesetze von 1878 ihrer Heimat den Rücken
gekehrt hatten - trugen zum Aufschwung der amerikanischen Zigar­renindustrie
bei. Unter ihnen waren es wiederum versierte Drucker,
die ihre unvergleichlichen Kenntnisse in der
Chromolithographie zum Wohle »in Sachen Zigarre« einbrachten. Jene Technik der
Chro­molithographie revolutionierte nämlich geradezu die Herstellung von
Zigarrenetiketten. Im Zuge der Einwanderungswellen waren bald New York und
Florida die Zentren der Zigarrenproduktion. Um 1890 garantierte denn auch »Made
in Tampa« absolut sichere Verkaufserfolge, da ganz selbstverständlich davon
ausgegangen wurde, dass nur die fähigsten kubanischen Blattsortierer und Zigar­renroller
in der Herstellung beschäftigt waren. Eine Zigarre aus Tampa galt jedenfalls
fast genauso viel wie eine Havanna. Tatsäch­lich wurden die meisten
amerikanischen Zigarren unter Verwen­dung von Havanna-Tabak hergestellt. Die
Zigarre bestand dann ent­weder aus einer Havanna-Einlage mit amerikanischem
Umblatt und Deckblatt, oder aber Einlage, Umblatt und Deckblatt bestanden zu
100 Prozent aus importiertem kubanischem Blatt, was zu der Bezeichnung »reine«
(das heißt vollständig aus kubanischem Blatt bestehende) Havanna führte.



Admin · 470 mal angesehen · 0 Kommentare
Kategorien: Erste Kategorie
04 Jun 2013. 09:23:29

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